Wettbewerb um Flüchtlinge

Wettbewerb um Flüchtlinge: Wie Flüchtlinge eine Win-Win Situation für Gemeinden in Deutschland sein können

Im bemerkenswerten Leitartikel des SPIEGEL 36/15 schreibt Elke Schmitter über den positiven Wettbewerb, der sich in Deutschland um Flüchtlinge entfachen ließe. Sie beschreibt dabei, warum der Versuch, Flüchtlinge als gleichmäßige Belastung über Deutschland zu verteilen, zum Scheitern verurteilt sein wird. Gleichzeitig wird dabei eine Überlegung skizziert, wie der Staat das Einverständnis der Bürger auf kommunaler Ebene erreichen könnte: In dem die Einwohner einer Kommune die Neubürger im Wesentlichen als Bereicherung wahrnehmen.

Die verordnete Verteilung wird scheitern

Der Gedankengang ist bestechend, denn es kommt wie im gesamten Bereich der Sozialleistungen eben nicht nur auf die Maßnahme an, sondern wie diese Wahrgenommen wird, welchen Sinn sie also für den Einzelnen bekommt. Ob ein Zentrum für Flüchtlinge dabei als Chance oder als Zumutung verstanden wird, das kann der Staat dabei nicht verordnen, er muss die Bürger mit einbinden.

Dies müssen wir akzeptieren: Eine randalierende Menge tobt sich aus in ihrer Überzeugung, dass die ganze Diskussion, dieses ganze schwierige Prozedere in einer Demokratie nichts bringt. Stärke und ein Gefühl von Zugehörigkeit und Orientierung geben ein paar Phrasen, gewürzt mit Vorurteilen und gewonnenem falschem Glauben. Dies können wir einerseits nicht durchgehen lassen, andererseits wird es dort auch durch einen staatlichen Machteingriff nicht zu dauerhafter Akzeptanz für die neuen Nachbarn kommen. Dies wird vielmehr als anhaltende Provokation der lokalen Bevölkerung verstanden werden, mit allen bereits heute sichtbaren Folgen. Wollen wir die traumatisierten Flüchtlinge in ein anhaltendes reaktionäres Krisenszenario schicken?

Zuversicht und Eigeninitiative als Alternative mit Förderung

Der Plan ist, von einer passiven Quoten-Zuteilung in eine aktive Bewerbung um diese neuen Mitbürger zu kommen.

Gemeinden sollen Sich ähnlich den Verfahren für ein Unesco-Welterbe künftig um die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen bewerben. Sie legen dabei Pläne zur Unterbringung und Versorgung, zur Bildung und für Arbeitsplätze vor. Diese Gemeinden erhalten im Gegenzug ein Höchstmaß an staatlicher Förderung, bürokratisch wie logistisch und finanziell. So könnte die Gemeinde endlich ein Krankenhaus erweitern, ein Seniorenzentrum errichten oder eine Schule sanieren, die dann plötzlich auch wieder gut besucht würde. Damit würde aus so mancher siechenden Kleinstadt, der die Bürger den Rücken kehren, wieder ein wachsendes Gemeinwesen entstehen. Ein Gemeinwesen, in dem die Menschen mit ihren besten Ressourcen eingebunden wären, denn nur dort, wo es Verbindung und Wachstum gibt, gedeiht neues Leben. Nicht im Aushalten wären die Menschen gefordert sondern in ihrer Initiative, in ihrem guten Willen, den bereits so viele quer durch das Land gezeigt haben.

Verblühte Landschaften?

Das Selbstwertgefühl vieler Bürger und damit Ihrer Gemeinden ist ein Fall für die Therapie, nicht für die politische Auseinandersetzung. Es geht hier eben nicht darum, verkrustete Emotionen aufzulösen, um vernünftige Verhandlung wieder möglich zu machen. In manchen Gegenden, bereits verlassen von den Vorwärtsgewandten, hockt heute die nackte Angst, gepaart mit dem Vorurteil und der Enttäuschung.

Das Münchner Ifo-Institut hat jüngst das Wunschbild der Angleichung der Lebensverhältnisse in ganz Deutschland als Realitätsfern bezeichnet.

Dort, wo sich die Zurückgebliebenen nicht mit Neubürgern anfreunden wollen und können, da würde wieder Ruhe einkehren, ziemlich viel Ruhe in der Zukunft möglicherweise, aber eben keine mit polizeilicher Gewalt erzwungene Ruhe.

Aber dort, wo sich Menschen fragen wie sie helfen können, da würde so manche Gemeinde einen neuen Aufschwung erleben.

 

 

 

 

 

 

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