Warum wir glauben was wir wollen

Warum wir glauben was wir wollen  –  gleichgültig ob es beweisbar ist

Die große Mehrzahl der Anhänger der Republikanischen Partei in Amerika – um genau zu sein 74 % (nach einer Umfrage von CBS News) – glauben, dass sehr wahrscheinlich oder zu mindestens wahrscheinlich ist, dass Donald Trumps Büro im Wahlkampf abgehört wurde.

Sie glauben dies, obwohl Trumps Pressesprecher Sean Spicer keinerlei Beweis für die Behauptung des Präsidenten vorgelegt hat und der FBI Chef James Comey öffentlich erklärte, seine Behörde habe keinerlei Informationen, die diese Behauptung stützen würden. NSA Chef Mike Rodgers bestätigte sogar, diese Behauptung sei „Unsinn und völlig lächerlich“.

Ich liebe solches Zahlenmaterial. Es sagt so viel über die Schwächen der Menschheit – darüber, wie wir Informationen verarbeiten. Über unsere Unfähigkeit, eine Situation völlig emotionslos einzuschätzen. Die wiederkehrend gleichen Denkfehler, die es uns nahezu unmöglich machen, eine im Kern einfache Abwägung auf der Basis von vorliegenden Fakten zu treffen.

Voreingenommen?

Wenn ich es glaube, dann muss es wahr sein

Suchen wir gezielt die Information, die unsere bereits vorhandene Meinung unterstützt?

Beispielsweise wird der Besitzer eines geliebten Autos dessen Wert vermutlich höher einschätzen als der Marktwert tatsächlich ist. Oder der Aktienbesitzer wird das Risiko des Scheiterns der Firma, an der er beteiligt ist, geringer einstufen als es in der Realität ist.

Dies ist eine Kombination aus Wunschdenken und Selbstbestätigung, die uns regelrecht davon abhält, vollständig informiert zu sein.

Wir fokussieren auf die Information, die die bereits vorhandene Meinung unterstützen.

Und wir wollen uns nicht eingestehen, dass unsere bisherige Meinung falsch sein könnte.

Die Fachwelt spricht von selektiver Wahrnehmung und dem Bestätigungsfehler (engl. confirmation bias) – beides Fallen, in die wir immerzu bereitwillig hinein tappen.

Der Negativbeweis – oder auch:

Es könnte ja trotzdem sein

Gläubige benutzen gerne ein Killerargument:

„Dass es keinen Beweis gibt belegt doch nicht dass es nicht sein kann“.

So sagte auch Sean Spicer „the lack of evidence does not mean it did not happen“.

Anerkennend stelle ich fest, es ist ja auch sein Job, die irren Volten seines Chefs zu erklären.

Alternative Fakten

Diese Formulierung (engl. „alternativ facts“), erfunden von Kellyanne Conway, Beraterin von Donald Trump, hat das Zeug legendär zu werden. Diese Antwort auf unwiderlegbar falsche Behauptungen ist nichts anderes als die wirklich geniale Vermarktung einer Lüge.

Aber im Ernst, sind wir also den Manipulatoren, den Wortkünstlern und Wahrheitsverdrehern hilflos ausgeliefert? So leicht geht es dann doch nicht, wie das weltweite Gelächter über Conways Wortwahl zeigte.

Richtiger wäre, wie der berühmte Exobiologe und Astrophysiker und Leiter des SETI-Projektes (*) Carl Sagan es formulierte: „Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnliche Beweise“. (orig.: „extraordinary claims require extraordinary evidence“)

 

Mein Fazit: Wenn Ihnen jemand etwas wirklich Unglaubliches erzählt, dann glauben Sie es doch einfach mal nicht!

 

(*) SETI: Search for Extraterrestrial Intelligence

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