Qualitätssicherung in der Mediation (2)

Qualitätssicherung in der Mediation: Wer ist der Mediator(-in)?

Mediation als Verfahren kommt in der gesellschaftlichen Wahrnehmung immer mehr an. Dabei wird jedoch fast ausschließlich die Frage „Was ist Mediation?“ gestellt – eine sachliche und verfahrensbezogene Fragestellung. Dies ist nicht der einzige wichtige Punkt. Deswegen möchte ich hier die Frage stellen und beantworten, was ein Mediator eigentlich mitbringen muss, um für seine Medianten(*) wirksam zu sein?

(*) Die Parteien oder Klienten in einer Mediation werden als Medianten oder Medianden bezeichnet.

Frage: Wie erkenne ich einen hilfreichen Mediator?

Die Mediation als Verfahren in der strategischen Betrachtung:

Aus der Sicht der meisten Juristen ist der natürliche Mediator ein Jurist. In der erlernten Berufslogik und in der durch Erfahrung gewonnenen Kompetenz erscheint es zwangsläufig zu sein, die Klienten im Jura-Umfeld zu halten – schon aus finanziellem Eigeninteresse. Auch Rechtsschutzversicherungen verfolgen mit der Mediation eigennützige Interessen zur Konfliktbeilegung. Dabei wird übersehen, dass ein Konflikt auf verschiedenen Ebenen stattfindet. Die Ebene einer rein sach- und interessensorientierten Verhandlungslösung schafft dabei in aller Regel keine dauerhafte Befriedung eines Konfliktes. Weil übersehen wird, dass der Mensch mit seinen vielfältigen Befindlichkeiten und Überzeugungen im Mittelpunkt des Konfliktes steht. Dazu wären auch ggf. höchst unterschiedliche Ressourcen der Konfliktparteien zu berücksichtigen, die zu einer Verschiebung der Macht Balance innerhalb einer solchen Verhandlung führen würden. Nach dieser Logik würde auch in einer Mediation der Klient mit den besseren Sachargumenten und der höheren rhetorischen Kompetenz einen Vorteil haben.

Die Ebenen eines Konfliktes

Als Vermittler in Konflikten zwischen Menschen sind authentische Mediatoren gefordert, genau diese subjektiven Befindlichkeiten der Konfliktparteien ins Zentrum einer Mediation zu stellen. Dabei tritt das berufliche und ethische Selbstverständnis des Mediators in den Vordergrund, weil der Antrieb eines Konfliktes zwischen Menschen eben nicht nur auf der Sachebene zu suchen ist. Konflikte sind in Menschen oft tief eingegraben, ihre Lösung erfordert eine veränderte Sicht auf sich selbst und die Umgebung, die einem Wandel in der Konfliktwahrnehmung vorangeht. Bei diesem Wandel geht es in erster Linie nicht um die Durchsetzung von Interessen rationaler und sachlicher Natur. Die Interessen in einem Konflikt liegen in erster Linie in der Nähe der individuellen Bedürfnisse und sind somit schwerlich sachlich verhandelbar.

Gefühle und Bedürfnisse im Fokus

Selbst dann, wenn die sachlichen Positionen Schnittmengen mit den Bedürfnissen haben sollten, bedürfen sie der getrennten Betrachtung, da Sie stets und unmittelbar mit den Gefühlen verbunden sind. Jeder Mensch reagiert anders auf Gefühle in einer Mangelsituation. Der vertiefte und individuelle Blick auf die Gefühlswelt und die damit verbundenen Bedürfnisse ist dann unerlässlich, weil es in Konflikten keine einzige und objektive Wirklichkeit und Wahrheit gibt. Gefühle sind nicht verhandelbar, es gibt dabei ausschließlich ein subjektives Erleben der Konfliktbeteiligten.

Angstgefühle begleiten einen Konflikt

 In der Konfliktsituation sind die Parteien oft stark beunruhigt, ängstlich und verunsichert. Es erscheint Ihnen unmöglich, den Konflikt positiv zu beeinflussen, deshalb fühlen Sie sich verwundbar. Die Konfliktbeteiligten sehen sich gewöhnlich durch das Verhalten der jeweils anderen Partei angegriffen, deswegen fokussieren sie sich auf Selbstverteidigung. In der Folge sind sie gegenüber der anderen Partei abwehrend und misstrauisch, geradezu feindselig. Sie scheinen nicht mehr in der Lage, über ihren eigenen Horizont hinaus zu blicken, sie befinden sich in einer zutiefst bedrückenden und geschwächten Position.

Gegenübergestellt: Mediationsstile

  • Das Harvard Konzept ist ein im Kern sachlicher Verhandlungsstil. Im Wesentlichen werden die Interessen der Medianten erfasst, es steht ein sachliches und rational betontes Verhandeln im Fokus, ähnlich dem Vergleich in einem Gerichtsverfahren.
  • Mediatoren des evaluativen Stils nehmen eine bewertende Haltung des Konfliktes vor, auch der Rechtslage. Hier geht es im Wesentlichen darum, den Parteien eine bessere Entscheidungsgrundlage zu vermitteln.
  • Der direktive Stil in der Mediation geht davon aus, dass der Mediator aufgrund seiner Expertensicht Handlungsanweisungen an die Medianten geben kann und somit selbst Verantwortung an den Inhalten der Konfliktlösung trägt.
  • Ein Mediator des transformativen Stils stellt die Konfliktparteien als Menschen mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen in den Mittelpunkt. Er befähigt die Medianten zur Einnahme eines anderen Blickwinkels auf den Konflikt und ist somit wesentlich tiefgreifender als alle anderen Stile. Lösungen basieren auf einem Zugewinn an sozialer Kompetenz und auf persönlichem ethischem Wachstum. Die Nachhaltigkeit einer Konfliktlösung steht im Vordergrund, der Mediator bringt in der Regel keine eigenen Lösungsvorschläge ein.

Fazit: Der geeignete Mediator ist ein empathischer Vermittler zwischen Gefühlswelten

Die ethisch-mediative Grundhaltung gehört ebenso zum beruflichen Selbstverständnis wie professionelle Kompetenz in der Mediation. Der Mediator muss einen räumlich wie gefühlsmäßig neutralen Ort als Rahmen zu Verfügung stellen, eine unumgängliche Voraussetzung für die Medianten, sich in der Mediation geschützt zu fühlen. Die Befähigung, Menschen mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen in Berührung zu bringen, sollte er zwingend mitbringen. Die geäußerten Bedürfnisse wahrzunehmen, zu „übersetzen“ und somit verständlich zu formulieren ist seine Aufgabe. Die Mediation als Verfahren so zu steuern, dass die Parteien in die Lage versetzt werden, die Verantwortung für den Inhalt einer Lösung zu übernehmen. Die Mediation hat dabei absichtslos zu erfolgen, die Parteien liefern die Inhalte einer Lösung, die Meinung des Mediators gehört eben nicht zu dieser Lösung.

Lassen Sie uns darüber reden!

Meine Mediationen basieren auf dem transformativen Stil, auch erfülle ich als Mediator sämtliche genannte Aspekte. Als ausgebildeter empathischer Mediator empfehle ich neben meinen Kolleginnen und Kollegen im Bundesverband Mediation mich für ein kostenloses beratendes Gespräch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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