Nationalismus heute

„Wir repräsentieren  die schweigende Mehrheit!“

Alle Populisten behaupten, sie repräsentieren das wahre Volk, die Mehrheit teile ihre Ideen. Nach dieser Logik wäre es unmöglich, dass sie Wahlen verlieren.

Parteien wie die „Alternative für Deutschland – AfD“ zu entzaubern ist ein Rat, den ich derzeit oft lese. Indem man sie bei ihrer inhaltlichen Leere packt. Dies ist jedoch leichter gesagt als getan, da die eigentliche Botschaft der Partei im Kern keine rationale, sondern eine zutiefst emotionale ist. Sie sagen den Leuten: Ihr seid die Opfer und wir sind die Partei, die euch versteht und euch Gehör verschaffen wird.

Wie also soll man dagegen rational argumentieren? Gegen Überzeugungen hilft der Apell an die Vernunft nicht, wie man weiß.

Gerne wird in diesem Zusammenhang von „Rechtspopulisten“ geredet, was wohl so etwas wie die Steigerung eines „Populisten“ ist. Was jedoch genau einen Populisten ausmacht, ist recht schwer zu definieren. Ist damit der Politiker gemeint, der den Wählern aufs Maul schaut, dann sind wohl große Teile der Politik stark dem Verdacht des Populismus ausgesetzt. Weil der Politiker, der sich konsequent den Erwartungen seiner Wählerschaft verweigert, schwer zu finden sein wird. Er wäre vermutlich auch kein Demokrat, schließlich kommt der Begriff Demokratie aus dem Altgriechischen und heist ‚Herrschaft des Staatsvolkes‘.

Dann wird da noch gesagt, Populisten neigen dazu, einfache Antworten zu geben. Dies ist jedoch nichts Schlechtes, die meisten Menschen haben völlig zu Recht nichts gegen einfache Antworten. Entscheidend ist vielmehr, ob die Antworten richtig oder falsch sind. Die derzeitige Lösung der Flüchtlingskrise in Deutschland beispielsweise war ziemlich einfach, wie sich gezeigt hat. Man muss nur im Süden die Grenzen schließen, schon kommen hier kaum noch Menschen an. Diese Lösung mag man für falsch halten, aber sie ist als Maßmahme effektiv und einfach.

Populisten repräsentieren nicht einen Teil des Volkes, sie vertreten das wahre Volk. Einzig sie.

Diese Behauptung ist die moralisch legitimierende Ansage, die sie im Kern auszeichnet. Das ist es, was die Bemühungen, sie zu widerlegen, so leicht ins Leere laufen lässt.

In diesem Selbstverständnis liegt es auf der Hand, das die derzeitigen Regierenden dies nur durch Ursupation der Macht erreicht haben können. Anders wäre es ja nicht plausibel, warum die eigentlichen Repäsentanten der Volksmeinung eben nicht an der Macht sind. Irgendetwas kann an der parlamentarischen Demokratie, den existierenden demokratischen Institutionen, nicht stimmen, wenn sie den wahren Volkswillen nicht abbilden und so die Wahlen wiederholt falsche Ergebnisse produzieren. Und diejenigen, die darüber berichten, die Presse, die Journalisten, alle sind sie am Erhalt des Status Quo beteiligt.

So ist es vom Argwohn und dem fehlenden Verständnis für die parlamentarische Demokratie nur ein klitzekleiner Schritt zur Verschwörungstheorie. Gestützt von den gelenkten und gleichgeschalteten Redaktionen der Lügenpresse. Wenn solche Parteien also eine Wahl verlieren, wie die zum Bundespräsidenten in Österreich gerade eben, dann muss eben das Wahlsystem manipuliert sein. Daraus erklärt sich die Wut, die mit diesem selbstnährendem Grundverständnis aus einer solchen wahrgenommenen Enttäuschung hervorgehen muss.

Selten entlarven die Populisten sich mit ihren Provokationen klar wahrnehmbar.

Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“) hatte den stellvertretenden AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland mit den folgenden Sätzen über den in Berlin geborenen Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng zitiert: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“  Selten war die Reaktion der gefühlten Mehrheit des Volkes auf eine zutiefst rassistische Provokation so eindeutig wie darauf. So hingen Fußballfans beim Länderspiel am 29. Mai ein Plakat auf: ‚Jérôme sei unser Nachbar!‘

Und Alexander Gauland? Der unstrittig weit rechts im politischen Spektrum beheimatete AfD-Politiker reagierte vorhersehbar, er bestritt die Äußerung gemacht zu haben.

Sicher nur eine Erfindung der Lügenpresse, aber Hauptsache Aufmerksamkeit.

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