Ethisches Selbstverständnis

(angelehnt an Standards des Bundesverband Mediation e.V.)

Nachfolgendes ethisches Selbstverständnis ist für mich bei meiner Arbeit Verpflichtung, es ist wünschenswert für die Praxis der Mediation:

Menschenbild

Die Mediation geht von einem Menschenbild aus, das besagt, dass Menschen natürlicherweise miteinander kooperieren – sofern sie selbst gehört und ernst genommen werden. In jedem Menschen ist das Potential zum Umgang mit und zur Lösung von eigenen Konflikten vorhanden. Ich vertraue in meine und in die Kompetenz der Konfliktparteien zur kreativen Gestaltung und Verständigung im Konflikt. Ich anerkenne die Gleichwertigkeit aller Beteiligten, die Autonomie jeder einzelnen Person, respektiere die Einzigartigkeit einer und eines Jeden und gleichzeitig die Vielfalt der Unterschiede, in denen ich ein besonderes Potenzial sehe. Dabei lenke ich das Augenmerk der Konfliktparteien auch auf das, was sie auf der menschlichen Ebene miteinander verbindet.

Verantwortung

Als Mediator respektiere und fördere ich die Selbstverantwortlichkeit aller Beteiligten. Dabei bin ich mir meiner Verantwortung für den geschützten Rahmen stets bewusst, der den Konfliktparteien das Sich Einlassen auf den Prozess der Lösungssuche ermöglicht. Ich ermutige sie dabei, die Verantwortung für den von ihnen eingebrachten Inhalt und die erarbeiteten Vereinbarungen zu übernehmen.

Geschützter Rahmen

Als Mediator schaffe und wahre ich den geschützten Rahmen, der es den Konfliktparteien ermöglicht, sich auf den Prozess der Lösungssuche einzulassen. Dieser Rahmen schließt Gewalt, Drohungen und Provokationen aus.

Allparteilichkeit und Fairness

Der Mediator respektiert die subjektive Geschichte aller Konfliktparteien und nimmt ihre Bedürfnisse und Interessen empathisch und mit gleicher Wertschätzung auf. Im Fall von Machtunterschieden zwischen den Konfliktparteien nimmt er diese wahr und achtet ganz besonders darauf, dass jede Partei ihre Sache vollständig darstellen kann. Er stellt sicher, dass jede Konfliktpartei sich ihrer eigenen Perspektive, ihrer Gefühle, Bedürfnisse und Handlungswünsche klar werden kann.

Offenheit

Im Prozess der Mediation strebt der Mediator eine gelassene Aufmerksamkeit und eine Präsenz an, um die Streitparteien zu offener und direkter Aussprache zu ermutigen und gegenseitige Toleranz und Wertschätzung möglich zu machen.

Einfühlung und Ermutigung der Konfliktparteien

Der Mediator fühlt sich in die Konfliktparteien ein und achtet das gesamte Spektrum der Gefühle und Bedürfnisse aller Beteiligten. Er ermutigt die Konfliktparteien, im Kontakt miteinander die jeweils gegenseitige Haltung zu hören und aufzunehmen. Er fördert die gegenseitige Einfühlung der Konfliktparteien und ermutigt sie darin, ihren Konflikt gemeinsam auszutragen.

Vertraulichkeit und Vertrauen

Alles, was ich als Mediator durch die Mediation erfahre, behandele ich respektvoll und vertraulich. Ich vereinbare mit den Konfliktparteien, dass sie mich im Falle eines Gerichtsprozesses nicht als Zeugen für Tatsachen benennen werden, die mir im Verlauf des Mediationsverfahrens bekannt geworden sind. Durch Klarheit, Integrität und Aufrichtigkeit stärke ich das Vertrauen der Konfliktparteien in das Verfahren der Mediation und in die Erreichbarkeit einer Lösung für ihren Konflikt.

Freiwilligkeit

Der Mediator gewährleistet die freiwillige Teilnahme aller Konfliktparteien an der Mediation, indem er sie vollständig über das Verfahren der Mediation informiert und sie auf dessen Möglichkeiten und Grenzen hinweist. Mit welchem Ergebnis und zu welchem Zeitpunkt sie den Mediationsprozess beenden wollen, bleibt ausschließlich den Konfliktparteien überlassen.

Eigenes Verhalten im Konflikt

Ich bin bereit, Kritik entgegenzunehmen und im Falle eines eigenen Konfliktes diesen in einer Mediation zu bearbeiten. Ich verpflichte mich, ausschließlich in Konflikten zu mediieren, in denen meine eigenen Interessen zu keinem Zeitpunkt berührt sind.

Professionalität

Der Mediator wahrt durch sorgfältige Vorbereitung die Interessen der Konfliktparteien bestmöglich. Wenn er erkennt, dass eine parteiliche (juristische) Beratung für die Konfliktparteien nötig wäre, weist sie darauf hin und ermutigen sie, diese für sich in Anspruch zu nehmen. Erkennt der Mediator, dass die Allparteilichkeit nicht mehr gewährleistet ist, verpflichtet er sich, die Mediation an eine Kollegin I einen Kollegen weiterzuleiten. Der Mediator verpflichtet sich zu regelmäßiger Selbstreflexion durch Supervision, Coaching oder kollegiale Beratung und bildet sich regelmäßig fort, um die Qualität der Mediation sicher zu stellen.