Hoffentlich wird die Welt nach Corona nicht mehr dieselbe sein!

Ein hoffnungsvoller Blick auf das, was da kommen sollte.

Das uns die Globalisierung trotz ihrer Schattenseiten eine lange Phase wachsenden Wohlstands beschert hat wird wohl niemand bestreiten. Ob das Heilsversprechen stetigen Wachstums dagegen unstrittig ist schon eher. Dies möchte ich an einem Beispiel verdeutlichen mit einer wunderbaren Erfindung der Unterhaltungsindustrie: Dem Flachbild-Fernseher.

Braucht die Welt unbedingt 8K- Oled-TV in Matratzengröße?

Wachstum funktioniert recht simpel in diesem Beispiel, da die Mehrzahl von uns vermutlich schon vorher einen Fernseher besaß: Die neue Technik ist einfach so geil, dass der „Haben-Wollen-Impuls“ greift. Ist es bezahlbar, dann kaufen wir Konsumenten es.

Nach der DVD und HD-Ready kam rasch die Blue-Ray mit Full-HD, gefolgt von Streaming-fähigen Fernsehern mit 4K und danach – egal, denn wer kann da außer ein paar Enthusiasten noch folgen? Aber wer soll denn den nächsten Fernseher kaufen, wenn im Wohnzimmer schon ein Monster von Fernseher steht und der Zweitfernseher auch schon lange angeschafft ist? Reicht dann der Trend zum Drittfernseher an der Kühlschranktür, um weiteres Wachstum zu generieren?

Neue Märkte sollen es richten

Klar, das verfügbare Haushaltseinkommen vieler Menschen auf der Welt steigt, die bislang vielleicht noch keinen Fernseher bezahlen konnten. Was die obige Aussage keinesfalls unrichtig macht. Das Wachstum ist ab einem gewissen Punkt nur noch durch Produktivitätssteigerung machbar – im Klartext: Die Erzeugung eines Fernsehers muss billiger werden, damit noch mehr Menschen auf der Welt sich einen leisten können. Dafür kauft der Hersteller die Komponenten irgendwo auf der Welt eben noch ein paar Cent billiger ein. Und dann?

Hat Wachstum eine sinnvolle Grenze?

Keineswegs soll die Globalisierung allgemein zurückdreht werden. Die derzeitige Krise wirft unter dem oben genannten Aspekt der Kostenreduzierung in der Produktion jedoch Fragen auf, denn plötzlich fällt ein Schlaglicht auf einen Teilbereich des Gesundheitswesens, das lange nicht wirklich im Fokus war: Die Pharmakonzerne. Ja, vereinzelt hat es da im täglichen unablässigen Strom der News etwas gegeben mit verunreinigten Rohstoffen für Arzneimittel und auch Engpässen in der Versorgung, aber nichts was für längere Zeit im Bewusstsein geblieben wäre. Nun aber wurde bekannt, dass es in Europa derzeit keinen einzigen Hersteller einiger Grundsubstanzen für eine Gruppe von Wirkstoffen gibt, die – wie oft gesagt wird – die moderne Medizin überhaupt erst möglich gemacht haben: Antibiotika.

Die fatale Abhängigkeit von der globalen Lieferkette

Schlimm genug, wenn Konsumgegenstände wegen Lieferengpässen nicht produziert werden können. Aber wollen wir uns wirklich abhängig machen von Lieferketten für Produkte der schieren Daseinsvorsorge? Wegen ein paar Prozent Wachstum der Pharmakonzerne? Damit ein ausfallender Hersteller, ein Zollstreit oder eine andere politische Drohung über die Verfügbarkeit von simplen Antibiotika für uns alle entscheiden könnte? 

Abkehr vom Profitdenken in der Gesundheitsindustrie

Ein Virus macht uns unsere Verletzlichkeit bewusst, die Menschheit jedoch wird auch diese Herausforderung meistern. Ob wir danach das Gesundheitswesen weiter ausschließlich den Marktgesetzen überlassen wollen und dadurch bei jedem Intensivbett die Frage nach Gewinn stellen wollen? Die Gesundheit sollte eben nicht dem Profitdenken untergeordnet sein, die Pflege ohnehin nicht.

Bei Fernsehern ist es dagegen ziemlich egal, zumindest mir.

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