Asylant vs. Wirtschaftsflüchtling = gut vs. schlecht ?

Deutschland, ein erneutes Sommermärchen:

Willkommensgrüße, Herzlichkeit, Spenden- und Hilfsbereitschaft mit fröhlicher Stimmung. Ein großartiges menschliches Mit- und Füreinander spielt sich am Hauptbahnhof München ab. Die internationale Presse reibt sich verwundert die Augen und widmet dem in vielen Ländern der Welt Titelseiten.

Fast unter dem Radar der Presse sind bei all der Euphorie die Spannungen zwischen verschiedenen Ethnien unter den Flüchtlingen, die sich in einem Heim in Suhl abgespielt haben. Segregation, also die Menschen nach Ethnien getrennt unter zu bringen, steht seitdem als Forderung im Raum. Gut hinein passt an dieser Stelle, dass speziell in Bayern ‚Wirtschaftsflüchtlinge‘ auch nach Herkunftsländern getrennt untergebracht werden sollen. Hier aber nicht nur, um Spannungen zu vermeiden, sondern um die wahrscheinliche Abschiebung zu erleichtern, die ihnen durch ihre Herkunft aus sogenannten sicheren Drittländern droht.

Ohne Frage hat Deutschland im Vergleich eine liberale Asyl- und Abschiebepolitik, kaum ein anderes Land ist so großzügig, was die Aufnahme von Fremden angeht. „Kein Mensch ist illegal“ heißt die neue Losung. Das klingt verdammt gut, jedenfalls besser als die Position der Menschen, die keine Flüchtlinge bei uns haben wollen. Da wir jedoch erkennbar nicht Alle, die nach Deutschland kommen wollen, hier einfach aufnehmen können, wird nach politischen Gründen gesucht, wer bleiben darf und wer wieder gehen muss. Weil auch der freundlichste Mitmensch irgendwann aufsteckt, wenn er das Gefühl bekommt, ausgenutzt zu werden. Auch Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft ist eine Ressource, die endlich ist.

Wer ist willkommen?

Da scheint es einfach, den zurück zu schicken, der vermeintlich aus rein wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen will. Den, der nicht bedroht, verfolgt und ausgebombt wird. Den Wirtschaftsflüchtling eben, der hier bei uns lediglich nach einem besseren Leben strebt. Gleichzeitig ist genau dieses Streben nach einem besseren Leben ein natürliches zutiefst menschliches Ziel.

Ist ein junger Erwachsener, der für bessere berufliche Chancen vom Land in die Großstadt migriert denn ein Wirtschaftsflüchtling? Wollen wir eine deutsche Krankenschwester, die aufgrund besserer Bezahlung in die Schweiz umzieht, so nennen? Oder etwa einen deutschen Arzt, der wegen günstigerer Arbeitsbedingungen einen Arbeitsvertrag in einem britischen Krankenhaus unterschreibt? Die Liste liese sich fortsetzen, auch außerhalb Europas. Allen ist eines gemein: Menschen haben ein natürliches Streben nach besseren Lebensumständen, was von Politik und Wirtschaft ja auch gefordert und gefördert wird.

Nur bei Menschen, die nicht aus der EU stammen wird dem ein neuer Name gegeben, der mit der ursprünglichen Motivation für ein besseres Leben nichts zu hat: Wirtschaftsflüchtling.

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Roma Siedlung in der Nähe von Skopje, Mazedonien – Marion Braun, 2014

Mauern sind historisch überholt

Die simple Kategorie Flüchtling aus wirtschaftlichen Gründen ist untauglich, es braucht klar nachvollziehbare Regeln, Quoten oder sogar Losverfahren, wen wir haben wollen und wen nicht. Kurz eine Perspektive für die, die sich bei uns ein besseres Leben versprechen. Das Prinzip der Abschottung, der Grenzzäune und Mauern, hat in unserer eigenen Geschichte dankenswerter Weise nicht Bestand gehabt, warum sollte es jetzt an den Außengrenzen des Schengen-Raumes funktionieren? Die deutsche Politik hat in mehreren Schritten das Asyl- und Abschiebrecht geändert, zuletzt fast unbemerkt vor wenigen Wochen. Es hat nichts mit Kaltherzigkeit zu tun, wenn irgendwann der Anfang gemacht wird transparent zu unterscheiden, wen wir aufnehmen wollen und wen nicht. Und es hat nichts mit Kaltherzigkeit zu tun, wenn die, die das Land verlassen müssen, auch dazu angehalten werden. Eher hat es mit Realitätssinn zu tun, denn wenn sich an der Abschiebepolitik nichts ändert, werden Hunderttausende Asylbewerber bleiben, auch wenn Ihre Anträge abgelehnt wurden.

Für die zukünftige Entwicklung Deutschlands ist es an der Zeit für einen radikalen Schnitt hin zu einem Einwanderungsgesetz, denn zumindest in den Augen der Welt sind wir schon längst ein Einwanderungsland.