Am Tag nach der Wahl

Der Tag danach

oder: Am Tag nach der US-Wahl

 

Am Tag nach der Wahl nicht aus einem Alptraum aufgewacht sondern in einem.

Zu meiner Verwunderung ging die Sonne heute trotzdem auf.

Obwohl die Welt nicht mehr dieselbe ist wie am gestrigen Tag.

 

Sind „die Amerikaner“ einfach zu doof?

Wohl auch nicht mehr als die Wähler, die für den Brexit gestimmt haben.

Und für Orban, Duda, Le Pen und Hofer. Und nicht zu vergessen für die AfD.

 

Lügen, Falschaussagen, Beleidigungen

 

Was den meisten Menschen vor einiger Zeit noch unmöglich schien, ist endgültig zur Gewissheit geworden. Zur Gewissheit für uns halbwegs aufgeklärte und liberal gesinnte Menschen.

So werden Fakten geschafft im Postfaktischen: Nämlich mit dem Gewinn von Wahlen durch Falschaussagen und Lügen, durch Anfeindungen und Beleidigungen.

Die Medien haben wie die Meinungsforscher ihre Deutungshoheit verloren. Denn was ist die Deutung von Enthüllungen noch wert, wenn die Enthüllungen dann ganz einfach ignoriert werden?

Die Sozial Media Netzwerke habe die klassischen News beim Verbreiten von Nachrichten wohl endgültig abgelöst. Auf der Strecke blieb dabei die Überprüfung, das Filtern und die Einordnung.

In den Netzwerken entsteht durch den Algorithmus eine Filterblase, was meint der Nutzer sieht immer mehr die Dinge, die zu den eigenen Interessen und Ansichten passen. Und das funktioniert mit Gerüchten, Welterklärungsmodellen und Verschwörungstheorien offenbar besonders gut.

 

Bestätigungsverzerrung, Spaltung und Polarisierung

 

Egal, wer sich bemüht, diesen Kreislauf zu durchbrechen, die Schauergeschichten richtig zu stellen, jede Erklärung gilt manchen dann nur noch als neuer Belegen dafür, dass hier etwas verheimlicht und vertuscht werden soll.

In der sogenannten Bestätigungsverzerrung werden Wissenslücken mit dem angefüllt, was am besten zu den eigenen Überzeugungen passt. Das Phänomen ist aus der Gedächtnisforschung bekannt.

Echokammer wird ein weiteres Phänomen genannt, bei dem Verschwörungstheoretiker sinnwidrig reagieren, wenn sie mit Informationen konfrontiert werden, die ihre Ansichten in Frage stellen könnten: Entweder, sie ignorieren Fakten, die der Verschwörungstheorie widersprechen – oder sie wenden sich noch stärker der „Echokammer“ der Gleichgesinnten zu, wo die eigene Meinung besonders laut wiederhallt.

 

† Berichterstattung, R.I.P.

 

Die Bürger wenden sich ab von den Medien des 20.Jahrhunderts und von dem Prinzip, Nachrichten als Berichterstattung zu verstehen, objektiv und allseitig ausgewogen.

Und wendet sich hin zu den emotionalen Medien, den Sozial Media Netzwerken, deren Triebfeder einzig die Emotionen sind.

Die eingangs genannten Liberalen wissen dies bislang offensichtlich nicht effektiv zu nutzen.

Die Populisten, die Rechtsextremen und die Verschwörungstheoretiker aber schon längst.

Es ist Zeit, sich dieser neuen Aufgabe zu stellen.

 

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