Die wertschätzende Kommunikation – GFK

„Die Sprache des Lebens“

Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) (im englischen Nonviolent Communication NVC) ( von mir genannt: Die wertschätzende Kommunikation – GFK ) ist ein Kommunikationskonzept, das von dem klinischen Psychologen Dr. Marshall B. Rosenberg entwickelt wurde. Es soll Menschen befähigen, so miteinander umzugehen, dass der natürliche Kommunikationsfluss zu mehr Vertrauen und damit Freude am Leben führt. GFK kann in diesem Sinne sowohl bei der Kommunikation im Alltag als auch bei der friedlichen Konfliktlösung im persönlichen, beruflichen oder politischen Bereich hilfreich sein. Im Vordergrund steht dabei nicht, andere Menschen zu einem bestimmten Handeln zu bewegen, sondern eine wertschätzende Beziehung zu etablieren, die zu mehr Kooperation und gemeinsamer Kreativität im Zusammenleben führt. Manchmal werden auch die Bezeichnungen „Wertschätzende Kommunikation“, „Einfühlsame Kommunikation“, „Verbindende Kommunikation“, „Sprache des Herzens“ oder „Giraffensprache“ verwendet.

Erläuterung

Rosenberg nimmt an, dass jeder Mensch gern bereit sei, etwas für einen anderen Menschen zu tun, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind (Beispielsweise die Anfrage als erfüllbare Bitte formuliert ist und nicht als Forderung). Dieses Menschenbild basiert auf einer der humanistischen Psychologie entlehnten Haltung, in einer schädigenden Aktion eines Individuums nicht den Ausdruck des inneren Wesens zu sehen, sondern die „fehlgeleitete“ Strategie eines eigentlich positiven Impulses. Rosenberg bezieht sich besonders auf den Psychologen und Psychotherapeuten Carl Rogers und dessen Modell der Gesprächstherapie.

Rosenberg nennt jede Form von Gewalt „einen tragischen Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses“.

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Grundmodell der GFK

Die GFK zerlegt die Kommunikation in Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte:

  1. Beobachtung bedeutet, eine konkrete Handlung (oder Unterlassung) zu beschreiben, ohne sie mit einer Bewertung oder Interpretation zu vermischen.
    Es geht hierbei darum, die Bewertung verbal von der Beobachtung zu trennen, so dass der Gesprächspartner Bescheid weiß, worauf man sich bezieht.
  2. Die Beobachtung löst ein Gefühl aus, das im Körper wahrnehmbar ist und mit mehreren oder einem …
  3. Bedürfnis in Verbindung steht. Dabei sind jegliche menschlichen Bedürfnisse gemeint wie zum Beispiel Sicherheit, Verständnis, Kontakt oder Sinn. Gefühle sind dabei der wahrnehmbare Indikator dessen, ob ein Bedürfnis gerade erfüllt ist oder eben nicht. Für den einfühlsamen Kontakt ist das Erkennen von Bedürfnissen erheblich, da dies den Weg zu einer kreativen Lösung weist, die für alle Beteiligten passt.
  4. Aus dem Bedürfnis geht schließlich eine Bitte um eine konkrete Handlung im Hier und Jetzt hervor. Um diese möglichst erfüllbar zu machen, werden Bitten und Wünsche unterschieden: Bitten beziehen sich auf Handlungen im Jetzt, Wünsche dagegen sind vager, beziehen sich auf Zustände („sei respektvoll“) oder auf Ereignisse in der Zukunft. Erstere sind deutlich leichter zu erfüllen, haben deshalb auch mehr Chancen auf Erfolg. Rosenberg schlägt außerdem vor, Bitten nicht im Mangel zu formulieren – sprich, zu sagen, was man will, statt was man nicht will. Dabei wird unterschieden zwischen einer Handlungsbitte (beispielsweise darum, aufzuräumen) und einer Beziehungsbitte (beispielsweise um eine Beschreibung der Emotionen des Gegenübers).

Rosenberg fasst die Schritte der GFK in folgendem Satz zusammen:

„Wenn ich a sehe, dann fühle ich b, weil ich c brauche.
Deshalb möchte ich jetzt gerne d.“

Gegenübergestellt unsere „normale“ Kommunikation

  1. Das (moralische) Urteilen über den Kommunikationspartner, also der eigene Glaube zu wissen, warum jemand etwas macht oder unterlässt. Dazu gehört das Zuschreiben von angenommenen Eigenschaften zu dieser Person (z. B. „gut/schlecht“, „gerecht/ungerecht“, „freundlich/unfreundlich“), was deutlich eine Vermischung von Beobachtung und Bewertung ist. Eine Form der impliziten Verurteilung können als Gefühle dargestellte Bewertungen sein, zum Beispiel „ich fühle mich provoziert“. Hierbei wird der Kommunikationspartner indirekt als Provokateur bezeichnet und ihm die Verantwortung für ein eigenes vorgebliches Gefühl übertragen. (Wichtig ist in der GFK, dass Bewertungen von Personen abgelehnt werden; Es wird jedoch als hilfreich angesehen, Handlungen anderer zu bewerten, aber eben mit Bezug auf die eigenen Gefühle und Bedürfnisse und nicht mit Bezug auf ‚moralische‘ Kategorien.)
  2. Das Anstellen von Vergleichen: Dies ist nach Marshall Rosenberg nur eine andere Form von Verurteilung.
  3. Das Leugnen der Verantwortung für eigene Gefühle und Handlungen. Ein Beispiel wäre „Ich fühle mich verletzt, weil du mich schlecht behandelst.“ Oder: „Ich musste das so tun, weil so angeordnet wurde.“
  4. Das Stellen von Forderungen anstatt von Bitten. Der Unterschied zwischen Bitte und Forderung liegt in der Konsequenz bei der Nichterfüllung. Im Falle der Ablehnung erlaubt die Bitte beim Gegenüber die flexible Suche nach anderen Möglichkeiten, bei der Forderung jedoch drohen Sanktionen. Dies muss nicht immer in Form von offensichtlichen Strafen passieren, möglich ist auch die Erzeugung von Angst oder Schuldgefühlen beim Gegenüber (z. B. durch Schweigen oder Vorwürfe).

Mein persönliches Erleben mit der GFK

Die Auseinandersetzung mit der GFK, dieser Art des Umganges miteinander, hat mein Leben auf allen Ebenen unkomplizierter und reicher gemacht. Beinahe täglich erfahre ich, wie mühsam, lebensentfremdet und frustrierend die „normale“ seit der Kindheit erlernte Art zu kommunizieren doch sein kann. Meine frühere Wahrnehmung war, „nicht verstanden“ zu werden und dadurch meine Bedürfnisse ein ums andere Mal als nicht erfüllt zu erleben.
Schon ein wenig mehr Einfühlungsvermögen und Klarheit in meiner Sprache änderten mein Verhältnis zu meiner Umgebung nachhaltig, obwohl ich häufig genug ungewollt in die ‚alte‘ Sprache zurück falle.

Mir kam die GFK wie ein Wiederentdecken der „richtigen“, wirksamen Art, miteinander umzugehen, vor.

Diese Wahrnehmung enthält möglicherweise einen bestätigten Ansatz: Studien sagen, Kinder benutzen GFK wie selbstverständlich – bis unsere Gesellschaft sie auf „nett sein“ umerzieht.

Was die Folge des „nett seins“ sein können, möchte ich so beschreiben:

Statt auf Erfolg versprechende Weise dafür zu sorgen, dass unsere Bedürfnisse erfüllt werden, verhalten wir uns wiederkehrend so, dass wir schmerzhafte Erfahrungen machen müssen.
Weil wir um das, was wir wollen, auf die einzige Weise bitten, die man uns beigebracht hat:
Über das Verhalten anderer moralisch wertend zu urteilen, was die Betreffenden als Angriff verstehen und im Zweifel auch so reagieren.

Ich persönlich halte die aus der Übersetzung aus dem Amerikanischen Englisch resultierende Wortwahl Gewaltfreie Kommunikation für eher unglücklich, ohne jedoch eine bessere oder genauere Übersetzung anbieten zu können. Die Wortwahl unterstellt gewissermaßen, dass andere Kommunikationsformen gewalttätig seien. Auch die Verwendung des Wortes Gewalt ist für mich irritierend, deswegen bevorzuge ich < Die wertschätzende Kommunikation – GFK > als Bezeichnung.